Wie ein Lektorat deinem Roman neuen Schwung verleiht

Der letzte Satz ist geschrieben. Die Rohfassung ist fertig! Und, was nun? Gerade beim Selfpublishing liegt die Überarbeitung zu einem großen Teil bei dir als Autor:in. Du entscheidest, wann dein Roman fertig ist – und welche professionelle Begleitung für dich auf dem Weg zur Veröffentlichung hilfreich ist.

Blick von außen: so geht es mit deinem Manuskript weiter
Ein Lektorat kann an ganz unterschiedlichen Stellen ansetzen. Vielleicht hakt es am Plot oder den Figuren, vielleicht benötigt deine Geschichte einen gründlichen sprachlichen Feinschliff – und manchmal ist der erste Schritt herauszufinden, was der nächstbeste Schritt ist. Nicht immer ist es notwendig, das komplette Manuskript von der ersten bis zur letzten Seite lektorieren zu lassen.
Wo setzt ein Lektorat an?
Ein gutes Lektorat startet nicht gleich mit dem Einsatz des Rotstifts, sondern mit Fragen: Wo stehst du gerade? Was brauchst du, um weiterzukommen? Und welche Veränderungen wünschst oder erwartest du dir durch das Lektorat? Je nach Entwicklungsstand kann der Fokus anschließend ganz unterschiedlich liegen.
Bei einem Belletristik-Lektorat geht es vor allem um die Geschichte:
Trägt der Plot über den gesamten Roman?
Entwickeln sich die Figuren nachvollziehbar?
Handeln und sprechen sie authentisch?
Funktionieren die Dialoge?
Bleibt der Spannungsbogen erhalten – oder geht der Geschichte zwischendurch die Luft aus?
Stimmt das Erzähltempo?
Gibt es Logikfehler oder Widersprüche?
Erfüllt die Geschichte die Erwartungen ihres Genres und ihrer Leserschaft?
Auch Aufbau und Struktur spielen eine Rolle. Vielleicht funktioniert eine Szene für sich genommen hervorragend, steht aber an der falschen Stelle. Oder aber der Szene fehlt es an Spannung und Schwung. Vielleicht wird ein Konflikt zu früh aufgelöst oder ist in sich zu schwach, um die Geschichte zu tragen. Eine Nebenfigur wirkt unter Umständen nicht authentisch, weil die Backstory nicht ausreichend ausgearbeitet wurde. Genau für solche Fälle ist der Spürsinn einer Lektorin oder eines Lektors hilfreich.
Inhaltliches Lektorat oder sprachlicher Feinschliff?

Wenn die Geschichte steht, du jedoch noch an Stil, Ausdruck und sprachlichen Feinheiten feilen möchtest, ist ein Stillektorat sinnvoll.
Dabei werden schwerfällige Formulierungen erkannt, unnötige Füllwörter und Wortwiederholungen getilgt, Lieblingswörter identifiziert und unpräzise Ausdrücke oder Stellen, an denen ein Satz zwar grammatikalisch korrekt ist, aber trotzdem nicht richtig sitzt, markiert. Konkrete Formulierungsvorschläge erleichtern die Überarbeitung. Du kannst sie nach eigenem Gutdünken übernehmen oder verwerfen.
In den meisten Fällen, in denen ein Manuskript bereits weit fortgeschritten ist, wird ein Stillektorat mit einem Korrektorat verbunden. Dabei werden zusätzlich Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung überprüft sowie Schreibweisen vereinheitlicht. Die Kombination eignet sich besonders für Texte, deren Handlung bereits gut funktioniert und die nun sprachlich und formal auf die Veröffentlichung vorbereitet werden sollen.
Muss ich gleich meinen ganzen Roman lektorieren lassen?
Nein. Und gerade für Selfpublisher:innen kann es von Vorteil sein, zunächst nur einen Teil professionell bearbeiten zu lassen. Ein Teillektorat bietet sich an, wenn du bei einem bestimmten Kapitel feststeckst oder dein Budget kein vollständiges Lektorat zulässt. Auch 50 oder 80 lektorierte Seiten können dir zeigen, welche Probleme sich durch dein Manuskript ziehen und worauf du bei der weiteren Überarbeitung achten solltest.
Du erhältst Kommentare, Anmerkungen und ein zusammenfassendes Feedback und kannst die gewonnenen Erkenntnisse anschließend auf den restlichen Roman übertragen. Je nach Text kann der Schwerpunkt dabei auf Figuren, Dialogen, Spannung, Aufbau, Logik oder Sprache liegen. Stillektorat und Korrektorat lassen sich bei Bedarf ergänzen.
Wisse, wo du stehst
Ein kompaktes Lektorat der ersten 15 bis 20 Seiten oder eines ausgewählten Kapitels kann helfen, die Eignung des Manuskripts für ein vollständiges Lektorat zu beurteilen. Aspekte wie Einstieg, Figuren, Dialoge sowie sprachliche Muster und Fehlerhäufigkeit werden dabei analysiert. Das Ergebnis ist nicht nur ein überarbeiteter Textausschnitt, sondern vor allem eine Standortbestimmung für die weitere Arbeit am Manuskript. Dasselbe Prinzip lässt sich übrigens auch auf ein Exposé anwenden.
Was bekommst du nach einem Lektorat zurück?

Ein professionelles Lektorat soll dir nicht einfach einen Text präsentieren, den jemand anderes nach den eigenen Vorstellungen umgeschrieben hat. Du bekommst dein Manuskript mit Änderungen, Kommentaren, Fragen und Hinweisen zurück. Vorschläge kannst du übernehmen, verändern oder verwerfen – die Entscheidung bleibt bei dir.
Zusätzlich ist ein zusammenfassendes Feedback hilfreich: Wo liegen die Stärken des Manuskripts? Welche Baustellen ziehen sich durch den Text? Worauf solltest du bei der nächsten Überarbeitungsrunde besonders achten? Genau darin liegt ein großer Vorteil eines Lektorats. Du verbesserst nicht nur diesen einen Roman. Du lernst dabei auch eine Menge für dein eigenes Schreiben.
Welches Lektorat ist also das richtige?
Es hängt weniger davon ab, wie viele Seiten dein Roman hat, sondern davon, wo dein Manuskript gerade steht. Wenn Plot, Figuren, Spannung und Logik noch auf dem Prüfstand stehen, lohnt sich ein umfassendes Belletristik-Lektorat. Ist die Geschichte bereits stabil und benötigt vor allem sprachlichen Feinschliff, kann eine Kombination aus Stillektorat und Korrektorat die bessere Wahl sein. Möchtest du zunächst eine professionelle Einschätzung oder nur einen Teil deines Romans bearbeiten lassen, bieten ein Kapitel-, Einstiegs- oder Teillektorat eine gute Alternative. Deshalb stehen vor jedem Lektorat zunächst die Fragen: Was ist dein Ziel? Was möchtest du mit dem Lektorat erreichen?
Eine Textprobe, dein Exposé oder eine Zusammenfassung und – falls vorhanden – ein Kapitel- oder Szenenplan helfen dabei, genau das herauszufinden. Denn ein Lektorat sollte nicht möglichst viel an einem Manuskript verändern, sondern dort ansetzen, wo die Überarbeitung am meisten bewirkt.
Und irgendwann wird aus einem Manuskript, an dem du monatelang oder jahrelang gearbeitet hast, tatsächlich ein käufliches Exemplar in einer Buchhandlung, bei Amazon Kindle Direct Publishing oder Books on Demand!


Stefanie Eisl ist freie Lektorin und Korrektorin und begleitet Selfpublisher:innen auf dem Weg zur Veröffentlichung ihrer Manuskripte. Lektorat für Romance-, New-Adult-Romane und Kurzgeschichten, Korrektorat für alle Genres.




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