Bereit für den Blick von außen? So geht es mit deinem Manuskript weiter
- Stefanie Eisl

- vor 1 Tag
- 5 Min. Lesezeit

Dein Roman ist fertig. Zumindest fast.
Du hast Szenen umgeschrieben, Dialoge geschärft, Figuren gestrichen oder ihnen plötzlich doch noch eine Backstory verpasst. Du hast dein Manuskript vermutlich öfter gelesen, als du zählen kannst – und nun ist der Punkt gekommen, an dem du denkst: Jetzt ist es Zeit, die letzten Fehler auszumerzen.
Aber braucht dein Manuskript tatsächlich schon ein Korrektorat? Oder wäre ein Lektorat sinnvoller? Und was ist eigentlich der Unterschied zwischen Korrektorat, Stillektorat und Schlusskorrektur?
Gerade beim Selfpublishing lohnt es sich, diese Schritte auseinanderzuhalten. Denn sie erfüllen unterschiedliche Aufgaben – und sollten idealerweise auch in der richtigen Reihenfolge stattfinden.
Lektorat oder Korrektorat: Wo steht dein Manuskript?
Die wichtigste Frage lautet zunächst: Was sollte an deinem Text noch verändert werden? Wenn an Stil, Ausdruck, Figuren, Perspektive, Handlung oder Spannungsbogen gearbeitet werden soll, ist dein Manuskript ein Fall fürs Lektorat.
Vielleicht zieht sich die Mitte deines Romans; eine Nebenfigur handelt nicht ganz nachvollziehbar; die Perspektive passt gelegentlich nicht; Dialoge wirken hölzern oder manche Szenen erklären mehr, als sie zeigen. Genau hier setzt ein Lektorat an.
Ein Korrektorat kommt später: Die Geschichte steht, die Figuren stehen, die Perspektive steht. Größere stilistische und inhaltliche Änderungen sind abgeschlossen. Jetzt geht es darum, den Text sprachlich sauber für die Veröffentlichung vorzubereiten.
Kurz gesagt:
Im Lektorat wird noch am Text gefeilt. Im Korrektorat wird der fertige Text auf Fehler geprüft.
Das klingt nach einer kleinen Unterscheidung. Für den Ablauf einer Buchproduktion ist sie allerdings entscheidend.
Warum das Korrektorat erst nach dem Lektorat kommt

Angenommen, dein Manuskript wird zuerst sorgfältig korrigiert. Anschließend entscheidest du dich doch noch für ein Lektorat. Dabei werden Sätze umgestellt, Absätze ergänzt, Dialoge gekürzt und vielleicht sogar ganze Szenen neu geschrieben.
Und schon haben sich neue Fehler eingeschlichen: ein vergessenes Komma hier, ein Tippfehler dort, ein Verb, das nach einer Satzumstellung nicht mehr zum Subjekt passt, …
Deshalb gilt für den klassischen Ablauf:
Überarbeitung → Lektorat → Korrektorat → Buchsatz → Schlusskorrektur → Veröffentlichung
Nicht jedes Buchprojekt braucht jeden dieser Schritte im gleichen Umfang. Die Reihenfolge ist trotzdem sinnvoll.
Was wird bei einem Korrektorat geprüft?
Beim klassischen Korrekturlesen liegt der Schwerpunkt auf der sprachlichen Richtigkeit. Ich nenne diese Variante daher „Politur“.
Dabei prüfe ich dein Manuskript unter anderem auf:
Rechtschreibung
Grammatik
Zeichensetzung
überflüssige Füllwörter
auffällige Wortwiederholungen
uneinheitliche Schreibweisen
Gerade der letzte Punkt wird gern unterschätzt. Heißt es in Kapitel drei E-Mail, in Kapitel sieben Email und hundert Seiten später plötzlich eMail? Schreibt deine Figur okay, OK oder o. k.? Solche Kleinigkeiten fallen beim Schreiben kaum auf, beim professionell veröffentlichten Buch aber durchaus. Beim Korrektorat geht es deshalb nicht nur darum, Tippfehler zu jagen – es sorgt auch für sprachliche Konsistenz.
Die Korrekturen erfolgen direkt in Word mit der Funktion „Änderungen nachverfolgen“. So kannst du jede Änderung nachvollziehen und selbst entscheiden, ob du sie annehmen oder verwerfen möchtest.
Wenn du mehr willst: Korrektorat plus Stillektorat
Manchmal ist ein Manuskript inhaltlich bereits fertig, sprachlich aber noch nicht ganz dort, wo es sein soll. Vielleicht möchtest du kein umfangreiches Lektorat mehr, wünschst dir aber trotzdem jemanden, der nicht stoisch an einem holprigen Satz vorbeikorrigiert, nur weil dort grammatikalisch alles stimmt, denn: Ein Satz kann vollkommen korrekt sein und trotzdem nicht gut klingen.
Für solche Manuskripte eignet sich ein Korrektorat mit Stillektorat, ich nenne es den „Feinschliff“.

Zusätzlich zum klassischen Korrektorat achte ich stärker auf Stil und Ausdruck und mache konkrete Formulierungsvorschläge. Ich kommentiere auffällige Stellen und weise auf Unstimmigkeiten oder kleinere Logikfehler hin, die mir beim Lesen begegnen.
Dazu erhältst du ein zusammenfassendes Feedback zu wiederkehrenden sprachlichen Auffälligkeiten.
Das kann beispielsweise interessant sein, wenn du bemerkst, dass du bestimmte Wörter ständig verwendest, Dialoge nach ähnlichen Mustern aufbaust oder deine Figuren erstaunlich oft lächeln, nicken und seufzen. Solche Muster übersieht man im eigenen Manuskript im Laufe der Zeit.
Warum man die eigenen Fehler so schlecht findet
Das hat weniger mit mangelnder Sorgfalt zu tun als mit einem ganz simplen Problem: Du kennst deinen Text zu gut. Du weißt, was dort stehen soll. Beim Lesen ergänzt das Gehirn deshalb fehlende Wörter, übersieht vertauschte Buchstaben oder liest über Fehler hinweg. Je häufiger du dein Manuskript überarbeitet hast, desto vertrauter wird es dir – und desto schwieriger kann es werden, das zu sehen, was tatsächlich auf der Seite steht.
Eine externe Korrektorin kennt deinen Text dagegen nicht auswendig. Ich gehe ihn Wort für Wort und Satz für Satz mit einem frischen Blick durch. Dabei fallen nicht nur klassische Fehler auf, sondern auch sprachliche Gewohnheiten: Lieblingswörter, Füllwörter, Häufungen, inkonsistente Schreibweisen oder Formulierungen, die beim hundertsten eigenen Lesen längst unsichtbar geworden sind.
Und dann ist das Buch (endlich) fertig, … oder?
Fast! Nach Lektorat und Korrektorat folgt bei einem Printbuch üblicherweise der Buchsatz. Dein Manuskript bekommt seine endgültige Form: Schriftart und Schriftgröße, Seitenformat, Seitenumbrüche, Kapitelanfänge, Abstände und Silbentrennung. Doch Vorsicht, dabei können sich wieder Fehler einschleichen:
ein Wort wird ungünstig getrennt, ein Absatz verrutscht; bei einer letzten Änderung entsteht plötzlich ein neuer Tippfehler. Oder ein Wort hängt einsam am Seitenanfang oder -ende, und sieht dort ausgesprochen unglücklich aus.
Deshalb gibt es noch einen letzten Durchgang.
Die Schlusskorrektur: der letzte Check vor der Veröffentlichung

Die Schluss-, End- oder Umbruchkorrektur erfolgt, wenn alle vorherigen Korrekturen
eingearbeitet sind und das Buch bereits gesetzt wurde. Jetzt wird nicht mehr groß umformuliert, stattdessen geht es um die letzten verbliebenen Fehler und – bei Printbüchern – zusätzlich um Auffälligkeiten, die erst durch den Satz entstanden sind.
Was bei der Schluss-, End- oder Umbruchkorrektur geprüft wird:
übersehene Tipp- und Rechtschreibfehler
einzelne Grammatik- oder Zeichensetzungsfehler
fehlerhafte oder unschöne Silbentrennungen
Auffälligkeiten bei Absätzen und Seitenumbrüchen
Fehler, die bei letzten Änderungen entstanden sind
Je näher die Veröffentlichung rückt, desto zurückhaltender sollten Eingriffe in den Text werden. Denn jede Änderung kann wiederum eine neue Fehlerquelle sein.
Braucht jedes selbst veröffentlichte Buch ein professionelles Korrektorat?
Ein professionelles Korrektorat ist natürlich keine Voraussetzung dafür, dass du dein Buch veröffentlichen darfst. Beim Selfpublishing bist schließlich du Verlegerin oder Verleger und entscheidest selbst, wann dein Buch fertig ist. Die Frage ist:
Welchen Qualitätsanspruch hast du an dein Buch?
Leser:innen unterscheiden bei Fehlern nicht unbedingt danach, ob ein Roman bei einem großen Publikumsverlag oder im Selfpublishing erschienen ist. Sie sehen zunächst das fertige Buch – und erwarten einen Text, der sich flüssig lesen lässt und nicht durch vermeidbare Fehler aus der Geschichte reißt. Ein einzelnes vergessenes Komma wird kein Buch ruinieren. Häufen sich jedoch Tippfehler, falsche Bezüge, uneinheitliche Schreibweisen oder grammatikalische Patzer, wirkt sich das auf den Gesamteindruck aus. Und genau den möchtest du nach Monaten oder vielleicht Jahren an hingebungsvoller Arbeit an deinem Manuskript vermutlich nicht auf den letzten Metern aufs Spiel setzen.
Welcher Korrekturservice passt zu deinem Manuskript?
Als kleine Entscheidungshilfe: Deine Geschichte braucht noch inhaltliche oder stilistische Arbeit? Dann ist ein Lektorat sinnvoll. Hier können unter anderem Stil, Ausdruck, Perspektive, Figuren, Handlung und Spannungsbogen betrachtet werden.
Dein Manuskript ist fertig und soll vor allem sprachlich korrekt werden? Dann passt die Politur – das klassische Korrektorat.
Die Geschichte steht, du möchtest aber zusätzlich stilistische Hinweise und Formulierungsvorschläge? Dann ist der Feinschliff – Korrektorat plus Stillektorat eine Möglichkeit.
Dein Buch ist bereits gesetzt und steht unmittelbar vor der Veröffentlichung?Dann fehlt nur noch die Schlusskorrektur.
Und falls du nicht sicher bist, wo dein Manuskript gerade steht: Das lässt sich anhand einer Textprobe meist ziemlich schnell einschätzen. Nicht jedes Manuskript braucht die gleiche Bearbeitung. Entscheidend ist, welche Arbeit bereits geleistet wurde – und was dein Text auf dem Weg zur Veröffentlichung noch braucht.

Stefanie Eisl ist freie Lektorin und Korrektorin und begleitet Selfpublisher:innen auf dem Weg zur Veröffentlichung ihrer Manuskripte. Lektorat für Romance-, New-Adult-Romane und Kurzgeschichten, Korrektorat für alle Genres.



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