Lektorat oder Korrektorat: Kennst du den Unterschied?
- Stefanie Eisl

- 22. Sept. 2023
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 31. März
Lektorat und Korrektorat sind zwei verschiedene Schritte in der Textüberarbeitung. Am Ende des Artikels findest du eine interaktive Entscheidungshilfe – acht kurze Fragen, die dir helfen herauszufinden, was dein Text als nächstes braucht! Let’s go!

Grundlegende Unterschiede
Das Korrektorat ist dazu da, Rechtschreib-, Grammatik-, Zeichensetzungs- und Tippfehler zu beseitigen – es ist die letzte Politur vor der Veröffentlichung.
Ein Lektorat geht weit über die reine Fehlerkorrektur hinaus. Es umfasst die inhaltliche, strukturelle und stilistische Überarbeitung eines Textes mit dem Ziel, ihn präziser, stimmiger und wirkungsvoller zu machen. Die Textüberarbeitung erfolgt in mehreren Etappen. Erst wenn der Text nicht mehr verändert werden soll, ist es Zeit für das Korrektorat.
💡Lektorat und Korrektorat sind demnach keine Synonyme, sie beschreiben zwei unterschiedliche Schritte in der Textüberarbeitung.
Im Folgenden erfährst du, wie sich das Lektorat von Sach- und Fachtexten vom Belletristik-Lektorat unterscheidet und wann ein Lektorat sinnvoll ist. Anschließend findest du spannende Details zum Korrektorat – zum Beispiel, was es mit Begriffen wie Umbruch, Endkorrektur oder Druckfahne auf sich hat. Am Ende gibt es – wie bereits angekündigt – eine interaktive Entscheidungshilfe für deine nächsten Schritte.
Lektorat: Die Kunst des Überarbeitens
Es gibt kein einfaches Schema, anhand dessen sich ablesen ließe, wann ein Text als „fertig“ gilt. Es ist ein fortwährendes Abwägen, Prüfen, Verändern und Ausprobieren. Irgendwann kommt der Moment, in dem klar ist: Jetzt ist es so weit. Jetzt ist der Text bereit für die Veröffentlichung. Bis dahin hat er mehrere Entwicklungsschritte hinter sich, ist dabei meist durch unterschiedliche Hände gewandert und hat von allen Seiten Input erhalten.
Lektorat für Sach- und Fachtexte
Sach- und Fachtexte müssen viel leisten: Sie sollen informieren, überzeugen und dabei gut lesbar bleiben. Ein professionelles Lektorat hilft, Inhalte zu strukturieren, Formulierungen zu schärfen und die Sprache konsequent an die Zielgruppe anzupassen. Dabei werden unterschiedliche Ebenen des Textes in den Blick genommen:
Sprachliche Präzision und Stil: Unklare oder verschachtelte Formulierungen
werden stilistisch verbessert und auf den Punkt gebracht, sodass Leser:innen Inhalte schnell und leicht erfassen können.
Struktur, Logik und Gliederung: Im Lektorat wird geprüft, ob der Text gut aufgebaut, logisch gegliedert und nachvollziehbar ist. Ziel ist eine klare, tragfähige Struktur mit glatten Übergängen.
Konsistenz: Fachbegriffe, Schreibweisen und Stil sollen durchgängig einheitlich und stimmig sein.
Zielgruppenorientierung: Ton, Informationsdichte und Sprache werden an das Zielpublikum angepasst.
Verständlichkeit komplexer Inhalte: Fachliche Aussagen werden korrekt und zugleich zugänglich formuliert.
Als Autor:in kannst du dich so auf den Inhalt konzentrieren, ohne jedes Wort auf die Waagschale zu legen – dein:e Lektor:in übernimmt den stilistischen Feinschliff.
Das Belletristik-Lektorat

Im Bereich der Belletristik – etwa beim Romanlektorat – kommen weitere Aspekte hinzu: Sind die Figuren glaubwürdig? Wirken Dialoge natürlich? Trägt der Spannungsbogen? Ist ausreichend Konfliktpotenzial vorhanden? Kurz: Entfaltet die Geschichte jene Sogwirkung, die die Leser:innen wirklich fesselt?
Als Lektorin tauche ich in die Gedankenwelt des Autors oder der Autorin ein, analysiere die Geschichte, die Protagonist:innen und antagonistischen Kräfte, die Konflikte und deren Auflösung.
Ich erfasse, wo erzählt und nicht gezeigt wird („Show, don’t tell“-Prinzip), wo Details zu wenig ausgearbeitet wurden, sich Wiederholungen und „Lieblingswörter“ eingeschlichen haben oder einer Szene der Pep fehlt.
Konstruktiv, empathisch und wertschätzend
Das Lektorat ist eine intensive Auseinandersetzung mit dem Manuskript. Manchmal wird dabei ein Finger in die Wunde gelegt. Zum Erste-Hilfe-Set gehört jedoch stets konstruktives und wertschätzendes Feedback.
Es ist die Aufgabe einer Lektorin, aufmerksam zu sein, Anregungen zu geben, auf jedes unstimmige Detail sowie auf gröbere Fehler hinzuweisen. Wie viel du davon annimmst oder verwirfst, liegt ganz bei dir.
Ein Buch zu schreiben, darf Teamwork sein! Kein Mensch muss alles allein schaffen!
Du hast dir die Fähigkeit zu schreiben erarbeitet – eine Lektorin verfügt über das Know-how, bereits bestehende Texte zu überarbeiten, ist detailorientiert und geht mit Taktgefühl vor, um sie weiter zu verbessern.
Was sind die Vorteile eines Lektorats?
Ein frischer Blick von außen: Dem Lektor oder der Lektorin fallen Logikfehler auf, falsch verwendete Redewendungen oder unstimmige Bilder. Solche Fehler werden leicht übersehen, weil der Abstand zum Text fehlt.
Textverbesserung: Dein Text wird durch das Lektorat besser, dein Stil noch klarer, Formulierungen noch treffender, und du erhältst Feedback zu allen wichtigen Themen.
Eine steile Lernkurve: Durch die Auseinandersetzung mit dem Feedback, den Kommentaren und Formulierungsvorschlägen lernst du dazu und entwickelst dich als Autor:in weiter.
So nähert sich dein Manuskript Schritt für Schritt einem mitreißenden Buch, das die Leser:innen lieben und gar nicht mehr weglegen wollen.

Ist der Überarbeitungsprozess abgeschlossen, erfolgt die Korrektur. Ein Text sollte im besten Fall vor der Veröffentlichung mehrfach korrigiert werden.
Korrektorat: Feinschliff und Politur
Das Korrektorat ist der Feinschliff des bereits lektorierten oder überarbeiteten Texts und besteht im Wesentlichen aus der Korrektur der Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung.
Das Korrektorat beschäftigt sich nicht mehr mit Formulierungs- oder Stilfragen, sondern mit Details, also mit jedem Buchstaben und jedem Beistrich: Es erfasst Tippfehler, Buchstabendreher, falsch gesetzte Kommas und übersehene Grammatikschnitzer. Ebenso werden Schreibweisen im gesamten Dokument vereinheitlicht (z. B. auf Grund/aufgrund, Phantasie/Fantasie, vor kurzem/vor Kurzem etc.).
Wie oft muss ein Text korrigiert werden?
Um Fehler, die sich bei der Überarbeitung oder beim Setzen des Manuskripts neu eingeschlichen haben, zu entdecken, ist es empfehlenswert, das Manuskript vor der Veröffentlichung ein zweites Mal korrigieren zu lassen.
Je mehr Fehler der Ursprungstext hatte, desto eher werden auch beim Einarbeiten der Korrekturen Fehler übersehen. Daher sind mehrfache Korrekturdurchgänge die sicherste Variante zur Fehlervermeidung.
Im besten Fall wird ein Text zuerst vom Autor/von der Autorin selbst korrigiert, kommt dann ins Lektorat und wird vor der Veröffentlichung noch zweimal korrigiert.

Korrektorat plus Stillektorat – eine empfehlenswerte Mischvariante
Wenn ein Text schon weiter fortgeschritten ist, bereits einmal oder mehrmals überarbeitet wurde, inhaltlich keine Änderungen mehr geplant sind, der Stil aber noch nicht hundertprozentig ausgereift ist, kann ein Stillektorat weiterhelfen.
Im „erweiterten Korrektorat“ wird sowohl die Rechtschreibung, Grammatik und Zeichensetzung geprüft als auch ein Stillektorat durchgeführt.
Dabei werden „Lieblingswörter“ identifiziert und durch Synonyme ersetzt, holprige Satzteile umformuliert, der Text wird von unstimmigen Bildern bereinigt und unpräzises Vokabular verfeinert.
Unnötige Füllwörter (echt, eigentlich, einfach, etwa, irgendwie, -wer, -wann, -wo) werden entfernt oder angezeichnet. Füllwörter decken auf, wo Aussagen zu unpräzise sind und ein Text noch Nachbearbeitung benötigt.
Wenn du ein Textprojekt in der Schublade hast oder es bereits in den Fingern kribbelt, auf den Veröffentlichungsbutton zu drücken, schreib mir!
Die Fehlersuche ist mein Spezialgebiet.
Wohin soll es für deinen Text als nächstes gehen?
Finde heraus, was du bzw. dein Manuskript jetzt brauch(s)t: Lektorat, Korrektorat oder doch eher ein Schreibcoaching? Acht kurze Fragen – eine klare Antwort!

Stefanie Eisl ist freie Lektorin und Korrektorin für Selfpublisher:innen, Verlage und nachhaltige Unternehmen. Ihre Schwerpunkte liegen im Bereich New-Adult und Kurzgeschichten sowie Nachhaltigkeits-kommunikation in Unternehmen.
Titelbild: RetroSupply von Unsplash/bearbeitet mit Canva, weitere Fotos: vom Websiteanbieter
Interaktives Entscheidungstool erstellt mit Canva AI.




Kommentare